Nadine, Uwe, Lena und Jakob Warmuth

Wochenbett zu Hause

Wenn man (oder besser frau) sich für eine Geburt in der Hebammenpraxis Bühlau entscheidet, wird gleichzeitig die Entscheidung für das Wochenbett zu Hause getroffen.

Für Kinderlose: Wochenbett bedeuted − wie der Name schon sagt − ca. eine Woche lang das Bett hüten. Bei einer Geburt im Krankenhaus wird das Wochenbett dadurch realisiert, dass die Frau erst ca. fünf bis max. zehn Tage nach der Geburt nach Hause darf.

Die Entscheidung für das Wochenbett zu Hause muss wirklich wohl überlegt sein und hängt von vielen Faktoren ab, die mit der gesamten Familie geklärt werden müssen. Es gibt wie immer Vor- und Nachteile.

Ich möchte hier ein bißchen erzählen, was wir drei in dieser Zeit erlebt und erfahren haben, was angenehm und was anstrengend war. Im Vergleich dazu gibt es Anekdoten aus Krankenhäusern.

Anmerkung
Alles was ich über das Wochenbett im Krankenhaus weiß, habe ich von Freunden, von Hebammen und Kinderkrankenschwestern, die im Krankenhaus tätig waren, und aus diversen Berichten von Frauen, die in Zeitungen oder auch Büchern abgedruckt wurden.

Ich denke, es wird bestimmt das eine oder andere auf jedes Krankenhaus zutreffen, aber garantiert nicht alle „Schlechtigkeiten” auf einmal. Hinzu kommt das einige Informationen aus der „guten alten Zeit” stammen. Falls ich also etwas falsch dargestellt habe, oder jemand etwas ganz anderes beim Wochenbett im Krankenhaus erlebt hat, bitte ich dies zu entschuldigen. Meine Darstellungen sollen einfach Mut machen zum Wochenbett zu Hause, weil es für mich und meine Familie eine wunderschöne Zeit war.

Der Vater
Die wichtigste Person im Wochenbett ist der Vater. Natürlich nach Frau und Kind, die versorgt werden müssen!
1. Er muss mindestens zwei Wochen ab der Geburt zu Hause sein, besser sind drei Wochen.
2. Er muss in der Lage sein, den Haushalt komplett zu übernehmen. Bügeln, Fensterputzen und allgemeiner Großputz sind in dieser Zeit zwar nicht nötig, wohl aber gesundes Kochen (also nicht nur Pizza bestellen).
3. Er muss es schaffen, seine Frau „ans Bett zu fesseln”, auch wenn sie ihm so gern in der Küche helfen möchte (und er eigentlich über die Hilfe auch froh wäre).
4. Er muss den Mut haben, die Verwandschaft und Freunde auf Distanz zu halten, deren Besuche zu dosieren und unangemeldeten Besuch vor der Tür auch wieder weg zu schicken.
5. Er muss über das Wochenbett informiert sein. Dafür hilft wieder die aufmerksame Teilnahme am Vorbereitungskurs in Bühlau und auch der tägliche Besuch der Nachsorgehebamme.

Streicheln
Wir haben es sehr genossen, unsere Lena anzusehen, sie auf den Arm zu nehmen und zu streicheln, wann immer und wie lange wir dazu Lust hatten. Ein Neugeborenes kann man mit Nähe und Zuwendung nicht verwöhnen. Es kannte bisher schließlich nur das enge dunkle Schlaraffenland im Bauch der Mutter.

Nur nachts hatten wir sie weitestgehend in Ruhe gelassen, damit das Kind schnell merkt, dass es bei Dunkelheit und schummrigen Licht lieber schlafen soll.

Die Mutter musste besonders beim Hochnehmen des Kindes an ihre geschwächten Muskeln denken. Am besten der Vater hebt das Kind hoch und gibt es der Mutter auf den Arm und nimmt es ihr auch wieder ab.

In einigen Krankenhäusern kann es passieren, dass die Mutter ihr Kind nur zum Stillen auf den Arm bekommt.

Stillen
Das Stillen hatte nicht gleich auf Anhieb geklappt. Das Kind bekam die Brust nicht richtig zufassen und hatte Mühe, etwas heraus zu holen.

Das war aber nicht weiter tragisch, weil in den ersten drei oder vier Tagen ist der Flüssigkeitsbedarf des Kindes noch sehr gering ist. Die wenigen Versuche, bei denen das Kind die Brust richtig zu fassen bekam, reichten aus, um den Bedarf zu decken.

Trotz der anfänglichen Fehlversuche lernten Mutter und Kind gemeinsam, wie das Stillen richtig funktioniert. Als dann die richtige Milch produziert wurde, klappte es nahezu sicher. Unsere Nachsorgehebamme, die Kathrin, half uns mit vielen Tipps und Tricks und einer schier unerschöpflichen Geduld.

Die Frage, wann gestillt werden soll, ist ganz leicht beantwortet. Es ist natürlich am besten, wenn das Kind nach der Brust verlangt. Allerdings sollten zwischen vollen Stillmahlzeiten mindestens zwei Stunden liegen, damit nicht noch anverdaute Milch im Magen ist. Nur Schlafkinder, wie es unsere Lena am Anfang war, sollten etwa alle vier Stunden geweckt und gestillt werden, um eine Neugeborenen-Gelbsucht zu vermeiden.

Im Krankenhaus wird unter Umständen durch die Schwester bestimmt, wann gestillt wird. Das Kind wird gewogen, der Mutter gegeben und danach wieder gewogen. Fehlt noch etwas an einer festgelegten Menge, wird mit Tee (zum Teil sogar gesüßt!) aus der Flasche nachgeholfen. Ich habe auch gehört, dass besonders nachts gleich die Flasche gegeben wird.

Das Wiegen ist weitestgehend überflüssig, weil am Anfang der kleine Gewichtsunterschied durch die Bewegung des Kindes überhaupt nicht meßbar ist. Das baut bei der Mutter nur Stress auf, was dem Stillerfolg entgegen steht. Und außerdem, welcher Erwachsene isst zu jeder Mahlzeit immer die gleiche Menge?

Wickeln
Das Wickeln des Kindes ist in den ersten Tagen auf alle Fälle Vatersache. Die Mutter soll schließlich im Bett liegen. Wickeln ist aber mit den modernen Windeln gar kein Problem. Wenn doch mal was aus der Windel herausläuft, dann gibt es Waschmaschinen für die betroffenen Kleidungsstücke. Nach dem Wochenbett kann der Vater dann der Mutter erkären, wie die Windel angelegt werden muß.

Baden
Weniger ist hier mehr. Das Baby wird außer im Windelbereich nicht schmutzig. Es könnte höchstens noch sein, dass es sich hin und wieder voll spuckt. Jedes Baden greift die Schutzschicht der Haut an, die beim Baby wesentlich dünner ist als bei Erwachsenen.

Solange der Rest der Nabelschnur noch nicht abgefallen ist, sollte noch gar nicht gebadet werden. Danach fühlt sich das Kind richtig wohl, wenn es gleich in der großen Wanne zusammen mit dem Papa baden darf.

Körperpflege
Wenn das Baby einen wunden Po hat, werden diverse Cremes aufgetragen. Das sollte aber nicht übertrieben werden, denn das beste Heilungsmittel ist Luft. Das Kind kann beim Wickeln ruhig eine Weile nackt strampeln. Auch Fönen mit handwarmer Luft hilft feuchtigkeitsbedingte Rötungen zu heilen. Die Creme sollte nur zur Heilungsunterstützung verwendet werden.

Der Markt bietet ein unermessliches Angebot an Cremes, Salben und Ölen speziell für Babies. Jedes Wehwehchen hat ein eigenes Produkt, oftmals noch unterschieden, wo das Wehwehchen auftritt. Wir haben versucht, mit so wenig wie möglich Pflegemitteln auszukommen. Durch einen Tipp von einer Kinderkrankenschwester haben wir das Babyöl von der Firma, die mit „P” beginnt und auf „enaten” endet, für uns und unsere Lena als Wundermittel entdeckt.

Ein wunder Po oder andere Exzeme sind kein Thema. Wir haben aber auch das Glück, dass es keine Nahrungsmittel gibt, die über die Muttermilch Hautreaktionen hervorrufen. (Bis jetzt :-))

Tagesablauf
Der Tagesablauf war mit der Geburt völlig aus den Fugen geraten. Geschlafen haben wir dann, wann es das Kind zugelassen hat. Es konnte passieren, dass die erste Ruhepause für uns bereits vor dem Frühstück einsetzte. Wenn unser Hunger noch nicht zu groß war, haben wir das Frühstück auch mal auf Mittag um 12 verschoben. Es wäre ein Fehler gewesen, wenn ich die Schlafphasen des Kindes zu irgendwelchen Arbeiten vergeudet hätte!

In den normalen Rhythmus bin ich langsam wieder gekommen, weil ich mich an die Öffnungszeiten der Läden anpassen musste, weil bei diversen Hausarbeiten auf die Ruhezeiten der Nachbarn Rücksicht genommen werden musste und weil sich irgendwann der erste Arbeitstag näherte.

Da wir zu Hause waren, konnten wir den Tagesablauf so leben, wie es gerade passte. Im Krankenhaus dagegen kommt zu einer bestimmten Zeit das Reinigungsgeschwader, die Mahlzeiten gibt es zu festen Zeiten, die Schwestern kommen ab und zu, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Wenn es kein Einzelzimmer gibt, bringt zusätzlich der Tagesrhythmus der anderen Mütter und natürlich deren Kinder Unruhe ins Zimmer.

Besuch
Es gibt Krankenhäuser, da wird dafür gesorgt, dass immer nur zwei Personen zu Besuch kommen. Wenn man also als Dritter kommt, hat man das Nachsehen. Das ist grundsätzlich gut für die Mutter, aber unangenehm für den, der noch kommen will. Besonders bitter ist es, wenn der Dritte der Vater ist.

Zu Hause kann man den Besuch einladen und damit koordinieren, dass nicht mehr als eine Partei (einmal Oma + Opa, ein befreundetes Pärchen oder eine befreundete Familie) zu Besuch kommt. Unangemeldeter Besuch musste leider wieder gehen.

Besuch bedeutet immer Streß. Für die ganze Familie. Für das Kind, weil plötzlich so viele fremde Menschen da sind, es fängt sehr wahrscheinlich an zu schreien. Für die Mutter, weil sie das Kind beruhigen will und gleichzeitig den Gesprächen folgen will und weil sie der Verwandtschaft die glückliche Mutter vorspielen muss unabhängig davon, wie es ihr im Moment körperlich und seelisch geht. Für den Vater ist es Stress, weil der Besuch garantiert in der Zeit da ist, wo sonst ein bißchen Ruhe einkehrt.

Als sehr praktisch erwies es sich, den Besuch kochen zu lassen: „Bringt einfach die Zutaten für ein leckeres Essen mit, was ihr bei uns kocht.” Das ersparte mir die größere Kochmenge, obwohl ich das auch gern getan hätte. Aber es war tatsächlich eine große Entlastung. Meistens blieb etwas übrig, was sich im Tiefkühlschrank aufbewahrt an späteren Tagen zu einem anderen Essen kombinieren ließ. Es hatte sich auch gezeigt, dass der Besuch meist auch gleich den Abwasch gemacht hat und kurz nach dem Abwasch wieder verschunden war.

Geschwister
Da kann ich mir vorstellen, dass es dann erst recht stressig wird, wenn noch größere Geschwister da sind. Als Vater muss man sich neben den Aufgaben rund um Mutter und Neugeborenem auch die anderen Geschwister versorgen, mit ihnen spielen, ihnen bei allen Dingen des Lebens helfen. Die Mutter kann schließlich nur Dinge tun, die von ihrem Bett oder Sofa aus erledigt werden können.

Im Krankenhaus wird der „Geschwisterstress” für die Mutter durch die Besuchszeiten geregelt und verringert.

Ernährung
Während der Schwangerschaft wurden die Verdauungsorgane völlig eingeengt und zur Seite gedrückt. Das hatte zur Folge, dass die Frau ständig etwas essen musste, aber immer sehr schnell satt war.

Nach der Geburt steht plötzlich wieder riesiger Platz zur Verfügung. Die Mutter spürt nahezu kein Sättigungsgefühl mehr und kann jetzt reinhauen, dass es dem Vater die Sprache verschlägt. Das macht aber nichts, weil eine stillende Frau den Energiebedarf des Kindes mitdecken muss. Sie muss nach den Kalorien einer normalen Mahlzeit betrachtet eine komplette zusätzliche Mahlzeit einnehmen, was meistens auf die üblichen Mahlzeiten aufgepackt wird.

Was es zu essen gibt, hängt natürlich zu allererst vom persönlichen Geschmack ab. Wichtig sind aber Vitamine, Mineralien und viele Ballaststoffe, damit der Darm, der jetzt auch wieder viel Platz hat und erst einmal keinen Füllstand signalisieren kann, in Schwung kommt.

Der Speiseplan muss sich aber auch nach dem Kind richten. Man sagt, was der Mutter bläht, bläht auch dem Kind. Und Blähungen beim Kind sind für alle äußerst unangenehm. Außerdem gibt es viele Obstsorten, die einen wunden Po verursachen können. Das muss vorsichtig und sortenrein, also nicht mit einem Obstsalat, ausprobiert werden.

Stillende Mütter haben aus welchem Grund auch immer nicht so richtig Durst. Bei der Flüssigkeitszufuhr war große Abwechslung mit verschiedenen Tees, verdünnten Säfte und Suppen gefragt, damit die Mutter genügend trinkt.

Im Krankenhaus gibt es speziell für Wöchnerinnen angepasste Kost. Ob es aber gut schmeckt und ausreichend ist, weiß man nicht so genau.

Medizinische Betreuung
Das ist sicherlich ein großer Vorteil des Krankenhauses: Alle fälligen Untersuchungen werden automatisch gemacht, es ist für alle Unregelmäßigkeiten bei Mutter oder Kind ein Arzt da. Die U2 und die erste orthopädische Untersuchung fallen in die Zeit des Wochenbetts.

Wir haben bereits vor der Geburt Kontakt mit einem Kinderarzt aufgenommen, der uns auch zu Hause für die U2 (2. Untersuchung) besucht hätte. Aber in Lenas erster Woche, war er im Urlaub und der einzige freie Hausbesuchstermin überschnitt sich mit einem Arzttermin der Mutter. Also mußte ich mit der Lena doch zum Arzt hingehen.

Das war für mich nach zwei oder drei Spaziergängen mit dem Kinderwagen der erste öffentliche Auftritt mit Kind. Die Leute in der Praxis (Arzt, Schwestern, Mütter mit ihren Kindern) waren begeistert von der Tatsache, dass ein Papa mit einem so kleinen Kind kommt. Es spielte keine Rolle, dass das Wickeln und Anziehen noch etwas hölzern von statten ging.

Zum Schluß
Wochenbett zu Hause können wir einfach nur empfehlen. Es ist eine sehr intensive Zeit für Mutter und Vater. Da die Nachsorgehebamme täglich zur Verfügung steht, können viele Fragen, Sorgen und Probleme schnell geklärt werden. Wenn sie gerade nicht da ist, dann ist im Allgemeinen die „Entscheidung aus dem Bauch” die richtige. Beginnt man erst zu überlegen, wird man unsicher, weil es im Vorfeld einfach schon zu viele Informationen gab. Am besten man liest gar nichts vorher, weil in zwei verschiedenen Zeitschriften zum selben Thema garantiert zwei verschiedene Meinungen zu finden sind, die beide richtig sein wollen. Meistens hilft es sogar, wenn man sich überlegt, was man als Erwachsener jetzt gern hätte (z. B. bei Bauschschmerzen oder schlechten Träumen).

Übrigens war es ein richtige Entscheidung, das Telefon in der ersten Woche lautlos zu stellen. Mit wem WIR telefonieren wollten, den haben wir angerufen.

Uwe Warmuth (unterstützt von Nadine)

 
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