Wochenbett zu Hause
Wenn man (oder besser frau) sich für eine Geburt in der
Hebammenpraxis Bühlau
entscheidet, wird gleichzeitig die Entscheidung für das
Wochenbett zu Hause getroffen.
Für Kinderlose: Wochenbett bedeuted − wie der Name
schon sagt − ca. eine Woche lang das Bett hüten. Bei
einer Geburt im Krankenhaus wird das Wochenbett dadurch
realisiert, dass die Frau erst ca. fünf bis max. zehn Tage
nach der Geburt nach Hause darf.
Die Entscheidung für das Wochenbett zu Hause muss wirklich wohl
überlegt sein und hängt von vielen Faktoren ab, die mit der
gesamten Familie geklärt werden müssen. Es gibt wie immer
Vor- und Nachteile.
Ich möchte hier ein bißchen erzählen, was wir drei in dieser
Zeit erlebt und erfahren haben, was angenehm und was anstrengend
war. Im Vergleich dazu gibt es Anekdoten aus Krankenhäusern.
Anmerkung
Alles was ich über das Wochenbett im
Krankenhaus weiß, habe ich von Freunden, von Hebammen und
Kinderkrankenschwestern, die im Krankenhaus tätig waren, und
aus diversen Berichten von Frauen, die in Zeitungen oder auch
Büchern abgedruckt wurden.
Ich denke, es wird bestimmt das eine oder andere auf jedes
Krankenhaus zutreffen, aber garantiert nicht alle
„Schlechtigkeiten” auf einmal. Hinzu kommt das
einige Informationen aus der „guten alten Zeit”
stammen.
Falls ich also etwas falsch dargestellt habe, oder jemand
etwas ganz anderes beim Wochenbett im Krankenhaus erlebt hat,
bitte ich dies zu entschuldigen. Meine Darstellungen sollen
einfach Mut machen zum Wochenbett zu Hause, weil es für mich
und meine Familie eine wunderschöne Zeit war.
Der Vater
Die wichtigste Person im Wochenbett ist der Vater. Natürlich
nach Frau und Kind, die versorgt werden müssen!
1. Er muss
mindestens zwei Wochen ab der Geburt zu Hause sein, besser
sind drei Wochen.
2. Er muss in der Lage sein, den Haushalt komplett zu
übernehmen. Bügeln, Fensterputzen und allgemeiner
Großputz sind in dieser Zeit zwar nicht nötig, wohl aber
gesundes Kochen (also nicht nur Pizza bestellen).
3. Er muss es schaffen, seine Frau „ans Bett zu fesseln”,
auch wenn sie ihm so gern in der Küche helfen möchte (und
er eigentlich über die Hilfe auch froh wäre).
4. Er muss den Mut haben, die Verwandschaft und Freunde
auf Distanz zu halten, deren Besuche zu dosieren und unangemeldeten
Besuch vor der Tür auch wieder weg zu schicken.
5. Er muss über das Wochenbett informiert sein. Dafür hilft
wieder die aufmerksame Teilnahme am Vorbereitungskurs in
Bühlau und auch der tägliche Besuch der Nachsorgehebamme.
Streicheln
Wir haben es sehr genossen, unsere Lena anzusehen, sie auf den
Arm zu nehmen und zu streicheln, wann immer und wie lange
wir dazu Lust hatten. Ein Neugeborenes
kann man mit Nähe und Zuwendung nicht verwöhnen. Es kannte
bisher schließlich nur das enge dunkle Schlaraffenland im Bauch
der Mutter.
Nur nachts hatten wir sie weitestgehend in Ruhe gelassen,
damit das Kind schnell merkt, dass es bei Dunkelheit und
schummrigen Licht lieber schlafen soll.
Die Mutter musste besonders beim Hochnehmen des Kindes an
ihre geschwächten Muskeln denken. Am besten der Vater hebt
das Kind hoch und gibt es der Mutter auf den Arm und nimmt
es ihr auch wieder ab.
In einigen Krankenhäusern kann es passieren, dass die
Mutter ihr Kind nur zum Stillen auf den Arm bekommt.
Stillen
Das Stillen hatte nicht gleich auf Anhieb geklappt. Das
Kind bekam die Brust nicht richtig zufassen und hatte Mühe,
etwas heraus zu holen.
Das war aber nicht weiter tragisch, weil in den ersten drei
oder vier Tagen ist der Flüssigkeitsbedarf
des Kindes noch sehr gering ist. Die wenigen Versuche, bei
denen das Kind die Brust richtig zu fassen bekam, reichten
aus, um den Bedarf zu decken.
Trotz der anfänglichen Fehlversuche
lernten Mutter und Kind gemeinsam, wie das Stillen richtig
funktioniert. Als dann die richtige Milch produziert wurde,
klappte es nahezu sicher. Unsere Nachsorgehebamme, die Kathrin,
half uns mit vielen Tipps und Tricks und einer schier
unerschöpflichen Geduld.
Die Frage, wann gestillt werden soll, ist ganz leicht beantwortet.
Es ist natürlich am besten, wenn das Kind nach der Brust verlangt.
Allerdings
sollten zwischen vollen Stillmahlzeiten mindestens zwei
Stunden liegen, damit nicht noch anverdaute Milch im Magen
ist. Nur Schlafkinder, wie es unsere Lena am Anfang war,
sollten etwa alle vier Stunden geweckt
und gestillt werden, um eine Neugeborenen-Gelbsucht zu
vermeiden.
Im Krankenhaus wird unter Umständen durch die Schwester bestimmt,
wann gestillt wird. Das
Kind wird gewogen, der Mutter gegeben und danach wieder
gewogen. Fehlt noch etwas an einer festgelegten Menge, wird
mit Tee (zum Teil sogar gesüßt!) aus der Flasche nachgeholfen.
Ich habe auch gehört, dass besonders nachts gleich die Flasche
gegeben wird.
Das Wiegen ist weitestgehend überflüssig, weil am Anfang der
kleine Gewichtsunterschied durch die Bewegung des Kindes
überhaupt nicht meßbar ist. Das baut bei der Mutter nur
Stress auf, was dem Stillerfolg entgegen steht. Und außerdem,
welcher Erwachsene isst zu jeder Mahlzeit immer die gleiche Menge?
Wickeln
Das Wickeln des Kindes ist in den ersten Tagen auf alle
Fälle Vatersache. Die Mutter soll schließlich im Bett liegen.
Wickeln ist aber mit den modernen Windeln gar kein Problem.
Wenn doch mal was aus der Windel herausläuft, dann gibt es
Waschmaschinen für die betroffenen Kleidungsstücke. Nach
dem Wochenbett kann der Vater dann der Mutter erkären, wie
die Windel angelegt werden muß.
Baden
Weniger ist hier mehr. Das Baby wird außer im Windelbereich
nicht schmutzig. Es könnte höchstens noch sein, dass es sich
hin und wieder voll spuckt. Jedes Baden greift die
Schutzschicht der Haut an, die beim Baby wesentlich dünner
ist als bei Erwachsenen.
Solange der Rest der Nabelschnur noch nicht abgefallen ist,
sollte noch gar nicht gebadet werden. Danach fühlt sich
das Kind richtig wohl, wenn es gleich in der großen Wanne
zusammen mit dem Papa baden darf.
Körperpflege
Wenn das Baby einen wunden Po hat, werden diverse Cremes
aufgetragen. Das sollte aber nicht übertrieben werden,
denn das beste Heilungsmittel ist Luft. Das Kind kann
beim Wickeln ruhig eine Weile nackt strampeln. Auch Fönen
mit handwarmer Luft hilft feuchtigkeitsbedingte Rötungen
zu heilen. Die Creme sollte nur zur Heilungsunterstützung
verwendet werden.
Der Markt bietet ein unermessliches Angebot an Cremes,
Salben und Ölen speziell für Babies. Jedes Wehwehchen
hat ein eigenes Produkt, oftmals noch unterschieden, wo
das Wehwehchen auftritt. Wir haben versucht, mit so wenig
wie möglich Pflegemitteln auszukommen. Durch einen Tipp
von einer Kinderkrankenschwester haben wir das Babyöl
von der Firma, die mit „P” beginnt und auf
„enaten” endet, für uns und unsere Lena als
Wundermittel entdeckt.
Ein wunder Po oder andere Exzeme sind kein Thema. Wir
haben aber auch das Glück, dass es keine Nahrungsmittel
gibt, die über die Muttermilch Hautreaktionen hervorrufen.
(Bis jetzt :-))
Tagesablauf
Der Tagesablauf war mit der Geburt völlig aus den
Fugen geraten. Geschlafen haben wir dann, wann es das Kind
zugelassen hat. Es
konnte passieren, dass die erste Ruhepause für uns bereits
vor dem Frühstück einsetzte. Wenn unser Hunger
noch nicht zu groß war, haben wir das
Frühstück auch mal auf Mittag um 12 verschoben. Es wäre
ein Fehler gewesen, wenn ich die Schlafphasen des Kindes
zu irgendwelchen Arbeiten vergeudet hätte!
In den normalen Rhythmus bin ich langsam wieder gekommen,
weil ich mich an die Öffnungszeiten der Läden anpassen musste,
weil bei diversen Hausarbeiten auf die Ruhezeiten der Nachbarn
Rücksicht genommen werden musste und weil sich irgendwann
der erste Arbeitstag näherte.
Da wir zu Hause waren, konnten wir den Tagesablauf so leben,
wie es gerade passte. Im Krankenhaus dagegen kommt zu
einer bestimmten Zeit das Reinigungsgeschwader, die Mahlzeiten
gibt es zu festen Zeiten, die Schwestern kommen ab und zu, um zu
sehen, ob alles in Ordnung ist. Wenn es kein Einzelzimmer
gibt, bringt zusätzlich der Tagesrhythmus der anderen Mütter
und natürlich deren Kinder Unruhe ins Zimmer.
Besuch
Es gibt Krankenhäuser, da wird dafür gesorgt, dass immer
nur zwei Personen zu Besuch kommen. Wenn man also als
Dritter kommt, hat man das Nachsehen. Das ist grundsätzlich
gut für die Mutter, aber unangenehm für den, der noch
kommen will. Besonders bitter ist es, wenn der Dritte der
Vater ist.
Zu Hause kann man den Besuch einladen und damit koordinieren,
dass nicht mehr als eine Partei (einmal Oma + Opa, ein
befreundetes Pärchen oder eine befreundete Familie) zu Besuch
kommt. Unangemeldeter Besuch musste leider wieder gehen.
Besuch bedeutet immer Streß. Für die ganze Familie. Für das
Kind, weil plötzlich so viele fremde Menschen da sind, es
fängt sehr wahrscheinlich an zu schreien. Für die Mutter, weil
sie das Kind beruhigen will und gleichzeitig den Gesprächen
folgen will und weil sie der Verwandtschaft die glückliche
Mutter vorspielen muss unabhängig davon, wie es ihr im Moment
körperlich und seelisch geht. Für den Vater ist es Stress, weil
der Besuch garantiert in der Zeit da ist, wo sonst ein bißchen
Ruhe einkehrt.
Als sehr praktisch erwies es sich, den Besuch kochen zu lassen:
„Bringt einfach die Zutaten für ein leckeres Essen mit, was
ihr bei uns kocht.” Das ersparte mir die größere
Kochmenge, obwohl ich das auch gern getan hätte. Aber es war
tatsächlich eine große Entlastung. Meistens
blieb etwas übrig, was sich im Tiefkühlschrank aufbewahrt
an späteren Tagen zu einem anderen Essen kombinieren ließ.
Es hatte sich auch gezeigt, dass der Besuch meist auch gleich
den Abwasch gemacht hat und kurz nach dem Abwasch wieder
verschunden war.
Geschwister
Da kann ich mir vorstellen, dass es dann erst recht stressig wird,
wenn noch größere Geschwister da sind.
Als Vater muss man sich neben den Aufgaben rund um Mutter
und Neugeborenem auch die anderen Geschwister
versorgen, mit ihnen spielen, ihnen bei allen Dingen des
Lebens helfen. Die Mutter kann schließlich nur Dinge tun,
die von ihrem Bett oder Sofa aus erledigt werden können.
Im Krankenhaus wird der „Geschwisterstress” für
die Mutter durch die Besuchszeiten geregelt und verringert.
Ernährung
Während der Schwangerschaft wurden die Verdauungsorgane völlig
eingeengt und zur Seite gedrückt. Das hatte zur Folge, dass
die Frau ständig etwas essen musste, aber immer sehr schnell
satt war.
Nach der Geburt steht plötzlich wieder riesiger Platz zur
Verfügung. Die Mutter spürt nahezu kein Sättigungsgefühl
mehr und kann jetzt reinhauen, dass es dem Vater die Sprache
verschlägt. Das macht aber nichts, weil eine stillende
Frau den Energiebedarf des Kindes mitdecken muss. Sie muss
nach den Kalorien einer normalen Mahlzeit betrachtet eine
komplette zusätzliche Mahlzeit einnehmen, was meistens auf
die üblichen Mahlzeiten aufgepackt wird.
Was es zu essen gibt, hängt natürlich zu allererst vom
persönlichen Geschmack ab. Wichtig sind aber Vitamine,
Mineralien und viele Ballaststoffe, damit der Darm, der
jetzt auch wieder viel Platz hat und erst einmal keinen
Füllstand signalisieren kann, in Schwung kommt.
Der Speiseplan muss sich aber auch nach dem Kind richten.
Man sagt, was der Mutter bläht, bläht auch dem Kind. Und
Blähungen beim Kind sind für alle äußerst unangenehm.
Außerdem gibt es viele Obstsorten, die einen wunden Po
verursachen können. Das muss vorsichtig und sortenrein,
also nicht mit einem Obstsalat, ausprobiert werden.
Stillende Mütter haben aus welchem Grund auch immer nicht
so richtig Durst. Bei der Flüssigkeitszufuhr war große
Abwechslung mit verschiedenen Tees, verdünnten Säfte
und Suppen gefragt, damit die Mutter genügend trinkt.
Im Krankenhaus gibt es speziell für Wöchnerinnen angepasste
Kost. Ob es aber gut schmeckt und ausreichend ist, weiß man
nicht so genau.
Medizinische Betreuung
Das ist sicherlich ein großer Vorteil des Krankenhauses: Alle
fälligen Untersuchungen werden automatisch gemacht, es ist
für alle Unregelmäßigkeiten bei Mutter oder Kind ein Arzt da.
Die U2 und die erste orthopädische Untersuchung fallen in die
Zeit des Wochenbetts.
Wir haben bereits vor der Geburt Kontakt mit einem Kinderarzt
aufgenommen, der uns auch zu Hause für die U2
(2. Untersuchung) besucht hätte. Aber in Lenas erster Woche,
war er im Urlaub und der einzige freie Hausbesuchstermin
überschnitt sich mit einem Arzttermin der Mutter. Also
mußte ich mit der Lena doch zum Arzt hingehen.
Das war für mich nach zwei oder drei Spaziergängen mit dem
Kinderwagen der erste öffentliche Auftritt mit Kind. Die
Leute in der Praxis (Arzt, Schwestern, Mütter mit ihren
Kindern) waren begeistert von der Tatsache, dass ein Papa
mit einem so kleinen Kind kommt. Es spielte keine Rolle,
dass das Wickeln und Anziehen noch etwas hölzern von statten
ging.
Zum Schluß
Wochenbett zu Hause können wir einfach nur empfehlen. Es
ist eine sehr intensive Zeit für Mutter und Vater. Da die
Nachsorgehebamme täglich zur Verfügung steht, können viele
Fragen, Sorgen und Probleme schnell geklärt werden. Wenn
sie gerade nicht da ist, dann ist im Allgemeinen die
„Entscheidung aus dem Bauch” die richtige.
Beginnt man erst zu überlegen, wird man unsicher, weil es im
Vorfeld einfach schon zu viele Informationen gab. Am besten
man liest gar nichts vorher, weil in zwei verschiedenen
Zeitschriften zum selben Thema garantiert zwei verschiedene
Meinungen zu finden sind, die beide richtig sein wollen.
Meistens hilft es sogar, wenn man sich überlegt,
was man als Erwachsener jetzt gern hätte (z. B. bei
Bauschschmerzen oder schlechten Träumen).
Übrigens war es ein richtige Entscheidung, das Telefon
in der ersten Woche lautlos zu stellen. Mit wem WIR telefonieren
wollten, den haben wir angerufen.
Uwe Warmuth (unterstützt von Nadine)
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